Jungwinzer und Jungwinzerin des Jahres 2026
„Ausgezeichnete Weintalente“
Die gezielte Förderung des deutschen Winzernachwuchses ist ein besonderes Anliegen der DLG. In insgesamt drei Runden des DLG-Wettbewerbs stellten die jungen Talente ihr Wissen und Können unter Beweis. Im Rahmen der Qualifikationsrunde wurde das Fachwissen in den Bereichen Oenologie, Weinbau und internationale Weinwirtschaft geprüft. In der zweiten Runde wurde die Qualität der Weine im Rahmen der Bundesweinprämierung bewertet. In der Finalrunde stellten sich die besten Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich den Fragen einer Fach-Jury aus Weinexperten, die die Sieger unter den besten deutschen Weintalenten ermittelte.
1. Platz: Tobias Spieß
Wein- und Gästehaus Spieß, Kirrweiler (Pfalz)
Von klein auf hat Tobias Spieß im elterlichen Weingut mitangepackt und sich vor zehn Jahren mit dem Start seiner Winzerausbildung dazu entschieden, die Familientradition fortzuführen. Nach und nach hat er das Weingut modernisiert und an der ein oder anderen Qualitäts-Stellschraube gedreht und Neues gewagt. Nach seiner Mittleren Reife begann er seine Ausbildung zum Winzer an der Berufsbildenden Schule für Weinbau und Gartenbau am DLR Rheinpfalz in Neustadt/Weinstraße. Prägende Stationen im praktischen Teil der Ausbildung waren unter anderem das Weingut Bergdolt-Reif & Nett in Neustadt-Duttweiler und das Weingut Graf von Weyher. Dort lernte der 26-Jährige vor allem im Bereich der Oenologie Techniken und Praktiken kennen, die er zuhause im Betrieb umsetzte. Nach der Winzerausbildung bereitete sich der Jungwinzer mit der Fortbildung zum Staatlichen Geprüften Wirtschafter für Weinbau und Oenologie sowie zum Winzermeister auf die Führungsaufgaben im eigenen Betrieb vor, in den er im Anschluss fest einstieg und in den kommenden Jahren von seinem Vater übernehmen wird.
Weinphilosophie Tobias Spieß
Die Gärkühlung war eine der ersten Neuerungen, die Tobias Spieß im elterlichen Betrieb umsetzte. „Durch die gekühlte, gezügelte Gärung konnte ich meine frisch-fruchtige Stilistik präziser herausarbeiten“, sagt er. Seine Weine sollen jung getrunken werden und vor allem Spaß machen. Ein neues Flaschen- und Etikettendesign macht die Veränderungen sichtbar. Dem Flaschenmehrwegsystem seines Vaters bleibt er treu: „Nachhaltigkeit spielt in unserem Betrieb eine große Rolle. Mit dem Flaschenspülen nutzen wir den größtmöglichen Hebel zur CO2-Einsparung.“ Seine Weine unterteilt Spieß in drei Qualitätskategorien: vom Basiswein mit einem bis zum Premiumwein mit drei Spießen. Die besten Weine aus den Top-Lagen vermarktet er unter der Jungwinzer-Linie SPIESSLING. Zu seinen bevorzugten Rebsorten zählen neben den Burgundersorten auch Bukettsorten wie Sauvignon Blanc und Goldmuskateller. Bei der Vermarktung setzt er vermehrt mit Events auf eine Möglichkeit, die sowohl bei älteren als auch jungen Leuten gut ankommt. Seit zwei Jahren veranstaltet er mit dem Weingut ein Hoffest, beteiligt sich mit einem Ausschank am Weinfest in Kirrweiler und hat gemeinsam mit anderen Jungwinzern im Ort die Jahrgangspräsentation „Kirrweiler uncorked“ ins Leben gerufen. Mit seinen Winzerkolleginnen und -kollegen möchte er zukünftig noch enger zusammenarbeiten, um der aktuell herausfordernden Situation im Weinbau gemeinsam zu begegnen und bei Projekten zusammen anzupacken.
Weitere Informationen: https://www.wein-und-gaestehaus-spiess.de/
Foto: © Imke Paul
2. Platz: Katharina Schmitt
Weingut Schmitt-Weber, Perl (Mosel)
Für Katharina Schmitt war es nicht selbstverständlich, Winzerin zu werden. Obwohl sie mit dem Weinbau und dem Familienweingut aufwuchs, studierte sie zunächst BWL. Erst später entdeckte sie die Vielseitigkeit und den Gestaltungsspielraum ihres heutigen Berufs. Während ihres Studiums am Weincampus Neustadt sammelte sie bei Praktika in der Pfalz, am Kaiserstuhl und in Österreich vielfältige Erfahrungen im Weinbau. Dabei erweiterte die Jungwinzerin ihren Blick auf Wein und Handwerk und erkannte, wie viel Persönlichkeit darin steckt. Besonders schätzt sie die Vielseitigkeit ihres spannenden Berufs: Kein Jahr gleicht dem anderen, jeder Weinberg stellt neue Anforderungen. Die Verbindung aus Natur, Handwerk, Kellerwirtschaft, Betriebsführung und Kreativität macht den Beruf für sie besonders. Heute arbeitet die 31-Jährige im Familienweingut an der saarländischen Mosel, mitten im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und Luxemburg.
Weinphilosophie Katharina Schmitt
„Muschelkalk- und Keuperböden prägen unsere Weinberge und schaffen eine spannende Grundlage für unseren Schwerpunkt auf Burgundersorten. Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay und Auxerrois stehen dabei besonders im Mittelpunkt. Mir ist wichtig, die Herkunft unserer Weine erkennbar zu machen und gleichzeitig meinen eigenen Weg zu gehen. Dabei darf Tradition für mich niemals Stillstand bedeuten. Wir arbeiten mit klassischen Methoden und geben unseren Weinen Zeit, gleichzeitig probieren wir immer wieder Neues aus und hinterfragen, was wir tun. Diese Philosophie spiegelt sich auch in unserem Sortiment wider: von frischen, unkomplizierten Weinen aus dem Edelstahltank über im großen Holzfass ausgebaute Lagenweine bis hin zur Premiumserie 1725 und meiner neuen eigenen Linie ‚Katharina Schmitt Weine‘. Daraus sind drei besondere Weine entstanden: Madame, Monsieur und Fuder N.1. Als junge Winzerin sehe ich es als meine Aufgabe, den Weinbau weiterzudenken. Tradition bedeutet für mich nicht, alles so zu machen wie früher. Tradition bedeutet, zu wissen, wo man herkommt und daraus etwas für die Zukunft zu entwickeln. Genau diese Mischung aus Herkunft, Handwerk und neuen Ideen möchte ich auch nach außen tragen“, so Katharina Schmitt.
Weitere Informationen: www.schmitt-weber.de/weingut/
Foto: © Christina Körte
3. Platz: Eva Müller
Weingut Müller, Wöllstein (Rheinhessen)
Aus einem ursprünglichen Mühlenbetrieb mit Fasswein, Ackerbau und Viehhaltung entstand vor drei Generationen das Weingut Müller in Wöllstein mit Flaschenweinvermarktung, Vinothek und Gästehaus. Eva Müller absolvierte ihre Winzerinnenausbildung im Weingut Pauser in Rheinhessen, am DLR Bad Kreuznach an der Nahe sowie im Weingut Philipp Kuhn in der Pfalz. Während ihres praktischen Jahres verbrachte die 30-Jährige drei Monate zur Weinlese in Neuseeland auf dem Weingut Yealands. Anschließend erwarb sie ihre Abschlüsse als Wirtschafterin und Technikerin in Bad Kreuznach. Seit 2018 ist sie fest im elterlichen Betrieb tätig. 2017/18 vertrat sie die Verbandsgemeinde Wöllstein als Weinkönigin. In den Jahren 2019/21 wurde sie zur Rheinhessischen Weinkönigin und 2020/21 zur Deutschen Weinprinzessin gewählt. Darüber hinaus engagiert sich Eva Müller im Jungwinzerverein der Verbandsgemeinde Wöllstein, der „Vino Generation e. V.“, und sie ist Mitglied bei Vinissima – Frauen & Wein e. V. Außerdem sitzt sie im Kirchenvorstand und im Tourismusausschuss der Verbandsgemeinde Wöllstein.
Weinphilosophie Eva Müller
Seit Beginn ihrer Ausbildung hat Eva Müller ihre eigene Weinlinie im elterlichen Betrieb, die mittlerweile neun Weine und einen Sekt umfasst. Im Keller arbeitet sie gerne mit verschiedenen Werkstoffen und Ausbauarten: mit unterschiedlichen Holzfassgrößen ebenso wie mit Verschnitten von Weinen, die durch den Ausbau im Edelstahl geprägt sind. Gleichzeitig ist es ihr wichtig, die Herkunft ihrer Weine aus dem „wilden Westen von Rheinhessen“ zum Ausdruck zu bringen. Ihre Weine sind oft filigran und von den Böden geprägt, auf denen die Reben wachsen. Wein ist für Eva Müller weit mehr als ein Produkt. Wer sich für eine Tätigkeit im Weinbau entscheidet, braucht große Leidenschaft, denn es handelt sich um einen anspruchsvollen und zugleich körperlich fordernden Beruf. Besonders schätzt sie, dass Wein Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbindet.
„Der dritte Platz bei der Wahl zur „Jungwinzerin des Jahres“ bestärkt mich in meiner Arbeit und ist eine tolle Wertschätzung! Gerade in diesen herausfordernden Zeiten brauchen wir positive Aufmerksamkeit für unsere Branche“, so Eva Müller.
Weitere Informationen: https://www.hjm-wein.de
Foto: © Torsten Zimmermann
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